Schlagwort-Archive: Verhalten

Lebensmittel-Wegwerf-Gesellschaft

Lebensmittel-Wegwerf-Gesellschaft

#verschwendung #lebensmittel – Lebensmittel-Wegwerf-Gesellschaft. Wenn Sie in einer ruhigen Minute über die ungerechte Welt nachdenken, seien Sie sich bewusst, dass Sie und ich auf der Sonnenseite leben. Falls Ihre Nachkommen noch klein sind, sollten Sie vor Dankbarkeit sofort auf die Knie fallen und sich vier Wochen lange nicht erheben. Denn täglich sterben 30.000 Kinder weltweit an Krankheiten und verseuchtem Wasser  – nicht bei uns! Mangelernährung ist alleine für der Tod von jährlich 3,5 Millionen kleiner Erdenbürger verantwortlich. Gleichzeitig werfen wir in Deutschland jedes Jahr 18 Millionen Tonnen „Futter“ weg (Quelle: WWF).  Ich will Sie nicht nerven, aber wie blöde ist das denn? GMV fehlt komplett. Und wir können etwas tun. Aufklärung und Vorschläge…

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Loslassen, wenn etwas nicht mehr funktioniert

Loslassen, was nicht funktioniert

„Lass los, was nicht funktioniert, überlege dir genau, was funktioniert und dich richtig begeistert. Es ist nicht so, als würde mir nie etwas Schlimmes widerfahren. Aber ich stecke die meisten Dinge nicht in Schubladen wie „gut“ oder „schlecht“. Stattdessen frage ich mich, wie ich mich dadurch weiterentwickeln kann. Was will ich jetzt wo ist in diesem Augenblick meine Mitte?“ Jason Nemer, Miterfinder des Acroyoga, aus Tim Ferriss: Tools der Titanen, S.77

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Wir sind Schönredner

Aus: So ticken wir – psychologische Phänomene und Verhaltensgesetze für Führung, Verkauf und den ganzen Rest

Wir Schönredner
Wir Schönredner

Starten wir mit einer Definition. Ich tue das ja selten, weil das oft so wissenschaftlich „verquarkst“, also unverständlich ist. Dass ich jetzt doch eine Definition einwerfe, liegt möglicherweise an einer kognitiven Dissonanz bei mir. Ich will hier gar nicht wissenschaftlich kompetent erscheinen und befürchte gleichzeitig, dass Sie das als Manko empfinden könnten. Um das abzubauen – Dissonanzen müssen irgendwie geklärt werden, denn wir streben immer nach Gleichgewicht und innerer Klarheit – liefere ich jetzt doch eine Definition. Bitte sehr (zitiert).

Begriff: Kognitionen (Fähigkeit zur Wahrnehmung und zielgerichteten Interpretation der Lebenswelt, der Autor) sind Erkenntnisse des Individuums über die Realität. Einzelne Kognitionen (vereinfacht Wahrnehmungen, der Autor) können in einer Beziehung zueinander stehen. Kognitive Dissonanz entsteht, wenn zwei zugleich bei einer Person bestehende Kognitionen (Wahrnehmungen) einander widersprechen oder ausschließen. Das Erleben dieser Dissonanz führt zum Bestreben der Person, diesen Spannungszustand aufzuheben, indem eine Umgebung aufgesucht wird, in der sich die Dissonanz verringert oder selektiv Informationen gesucht werden, die die Dissonanz aufheben. Beispiel: Das Wissen über ein erhöhtes Krebsrisiko kann bei Rauchern kognitive Dissonanz hervorrufen, denn die positive Einstellung zum Rauchen steht im Widerspruch zu den unerwünschten Konsequenzen.

Möglichkeiten der Dissonanzreduktion:

  1. Vermeidung von kognitiver Dissonanz durch Nichtwahrnehmung oder Leugnen von Informationen;
  2. Änderung von Einstellungen oder Verhalten (Verzicht auf das Rauchen, Abwerten der Glaubwürdigkeit medizinischer Forschungsergebnisse);
  3. Selektive Beschaffung und Interpretation dissonanz-reduzierender Informationen (z.B. ein starker Raucher wurde 96 Jahre alt).[i]

Vereinfacht gesagt, wissen wir oft, dass wir Mist fabrizieren, haben jedoch nette Strategien entwickelt, um damit klar zu kommen und uns nicht für völlige Idioten zu halten. Eine Reihe von Studien zeigen, dass wir uns die Welt schön reden, und zwar ständig.



[i] http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/kognitive-dissonanz.html, 06.04.2012

Die Lüge

„Wer immer die Wahrheit sagt, kann sich ein schlechtes Gedächtnis leisten“. Genau. Theodor Heuss, der erste Bundespräsident (1949 bis 1959), musste es ja wissen. Schließlich hat er sich Jahrzehnte in Diplomaten und Politikerkreisen bewegt. Und die Lügen bekanntlich was das Zeug hält (GMV: Clinton, Barschel, Bush, …).

Aber Sie sollten den vom Image her eh schon gebeutelten mit Nachsicht begegnen, denn unter dem Strich sind Sie und ich auch nicht viel besser. Das sagt Ihnen schon der gesunde Menschenverstand, wenn sie ehrlich sind (Was war Ihre letzte Lüge – kann noch nicht lange her sein). Wissenschaftlich ist heute klar: Lügen ist so etwas wie Atmen, Dummheit und Sex. Manchmal nötig, unvermeidlich und angeboren.

Die Lüge gehört dazu

Für den Soziologen Peter Stiegnitz ist die Lüge „das Salz des Lebens“ – eine Prise macht das Leben leichter, zu viel macht es ungenießbar. Geübten Lügnern merkt man auf den ersten Blick oft nicht an, wenn sie die Unwahrheit sagen. Dabei kann alleine die Mimik eine Lüge enttarnen – manchmal selbst bei „Profis“. Spätestens durch einen Blick ins Gehirn kann auch die beste Lüge aufgedeckt werden. Kernspin-Aufnahmen zeigen, dass notorische Lügner eine andere Hirnstruktur als aufrichtige Menschen haben und mit Hilfe eines Magnet-Resonanz-Tomographen wird deutlich: Lügen ist für das Gehirn anstrengender, als bei der Wahrheit zu bleiben.“[i]

„Jeder Mensch lügt bis zu 200 Mal am Tag – allerdings nicht immer vorsätzlich. Oft lügen wir aus Höflichkeit, Bescheidenheit oder um uns besser darzustellen. (…) Der Hauptgrund für eine Lüge ist aber die Angst- wir lügen, wenn wir uns nicht sicher fühlen oder uns selbst beruhigen müssen. Dabei schwindeln wir nicht nur andere Menschen an, sondern auch uns selbst. (und zwar ständig. Insbesondere unsere Vergangenheit verklären wir und verzerren sie extrem zu unseren Gunsten: Anmerkung des Autors, Vergangenheitsillusion)

„Nichts ist leichter als Selbstbetrug, denn was ein Mensch wahr haben möchte, hält er auch für wahr.“ Demosthenes, griechischer Redner

„Männer lügen, wenn es um den Job, das Auto und die Freizeitaktivitäten geht – Frauen lügen eher über ihr Alter, ihr Gewicht und die Einkäufe. Und auch Kinder können wahre Meister des Lügens sein: Schon mit etwa vier Jahren beginnen sie, bewusst zu lügen. (…) Wissenschaftler sind sich einig: „Lügen lernen“ ist Teil unserer geistigen Entwicklung.“[ii]

Können wir nichts für´s Lügen?

Da haben wir den Salat. Wir sind einfach in vielen Dingen Opfer unserer Natur. Männer gehen fremd (genetisch und evolutions-geschichtlich bedingt), Frauen können nicht einparken, Menschen lügen. GMV sagt: Die Erkenntnisse der Wissenschaft werden sich ändern. Also nehmen Sie das alles nicht zu ernst, sondern bleiben Sie wissenstechnisch am Ball. Das kann morgen schon wieder ganz anders aussehen – aus wissenschaftlicher Sicht.

GMV sagt auch: Sie haben Einfluss auf Ihre Entscheidungen (Lügen, Nicht-Lügen, Fremdgehen, Auftrag annehmen, Kündigen …), auch wenn die Wissenschaft da schon mal anderes behauptet. So hat der Physiologe Benjamin Libet bereits 1979 in einem Experiment zeigen können, dass unser Gehirn schon aktiv wird, zum Beispiel, wenn wir eine Finger-Bewegung machen, bevor wir den Gedanken daran bewusst wahrnehmen. Er schlussfolgerte, dass der Entschluss zu Handeln unbewusst zustande kommt. (siehe das Libet-Experiment[iii])

Haben wir einen freien Willen

Daraus entwickelte sich eine Diskussion, die darin gipfelt, dass dem Menschen der freie Wille und die Verantwortung für sein Tun abgesprochen werden. So der deutsche Biologe und Gehirnforscher Gerhard Roth: „Das bewusste, denkende und wollende Ich ist nicht im moralischen Sinne verantwortlich für dasjenige, was das Gehirn tut, auch wenn dieses Gehirn ‚perfiderweise‘ dem Ich die entsprechende Illusion verleiht.“[iv]

Na gut – Forscherlatein. Den kleinen Finger zu heben ist nun nicht von besonderer moralischer Qualität. Eine derartige Bewegung hatte Libet gemessen. Also ziehen Sie sich nicht gleich auf die Forschung zurück. Wenn Sie Mist gebaut haben, sind Sie dafür verantwortlich – nach wie vor: GMV!

 


[i] Quelle: http://www.br-online.de/wissen/forschung 11.01.2009

[ii] Quelle: http://www.br-online.de/wissen/forschung, 11.01.2009

[iii] “Als Libet-Experiment wurde ein Versuch zur Messung der zeitlichen Abfolge einer bewussten Handlungsentscheidung und ihrer motorischen Umsetzung bekannt, den der Physiologe Benjamin Libet 1979 durchgeführt hat. Seine Bedeutung für die Philosophie des Geistes war Gegenstand lebhafter Diskussionen; noch heute wird das Experiment häufig in der Debatte über die menschliche Willensfreiheit angeführt.“ Quelle: Wikipedia, 11.01.2009

Anhand von EG-Aufzeichnung wies Libet nach, dass bei einfachen motorischen Vorgängen, ein bewusster Handlungswunsch nach unbewussten Aktivitäten des Gehirns festzustellen war.

„Libet selbst folgerte zunächst aus seinen Resultaten, dass der Entschluss zu handeln von unbewussten Gehirnprozessen gefällt wird, bevor er als Handlungswunsch ins Bewusstsein dringt; die bewusste Entscheidung sei somit nicht ursächlich für die Handlung.“ Quelle: Wikipedia, 11.01.2009

[iv] Gerhard Roth: Aus Sicht des Gehirns. Suhrkamp, 2003, S.180

Überzeugungsfaktor: gefühltes Eigeninteresse

Überzeugungsfaktor: gefühltes Eigeninteresse
Überzeugungsfaktor: gefühltes Eigeninteresse

Beim Eigeninteresse geht es ausnahmsweise einmal nicht um Sie – jedenfalls nicht vordergründig. Wenn Sie überzeugen wollen, geht es um Wirkung. Und zwar um die Wirkung, die Sie beim Gesprächspartner oder bei den Zuschauern erzeugen wollen und tatsächlich erzeugen. Also nicht irgendeine Wirkung, die ja immer entsteht, sondern um genau die Wirkung, die Sie erzielen wollen. Das klappt dann besonders gut, wenn Sie das „gefühlte Eigeninteresse“ des oder der Anderen ins Schwingen bringen.

Sprechen Sie den Vorteil oder Nutzen an, den die Gesprächspartner von selbst annehmen. Dabei spielen zwei Prinzipien eine wichtige Rolle: die Aussicht auf Belohnung und die Vermeidung von Strafe oder Verlust. Das klingt ein wenig kompliziert, ist es aber nicht, wie das folgende Beispiel zeigt.

Die Überzeugungskunst der Kinder

Belohnung:

Beobachten Sie Kinder untereinander. Die haben es wirklich noch drauf, von Geburt an. „Gib mir deinen Bagger, dann kannst du mit meinem Laster spielen“ oder auch „ich tausche meine zehn Ferrari-Bilder gegen fünf Silberpfeile“.

Dahinter steckt geballtes Eigeninteresse und gleichzeitig das Erkennen des Eigeninteresses des Anderen, Das ist besonders clever.

Strafe:

„Gib mir deinen Bagger oder ich sage deiner Mutter, dass du vorhin das kleine Mädchen umgestoßen hast.“ Das ist schon frech. Wir kennen das in subtilerer Form auch im Erwachsenen-Alltag.

Angenommenes Eigeninteresse hat noch weitere Spielarten, die uns zu Entscheidungen oder zum Handeln drängen, weil wir angenommenes Eigeninteresse vermuten oder konstruieren. In der Werbung findet das ständig statt. Hier werden die universellen Gesetze des Handelns gerne eingesetzt, um Sie und mich zu überzeugen, zu manipulieren und übers Ohr zu hauen.

Gesetze des Handelns

Das Gesetz der Knappheit:
Wir wollen eine Sache umso mehr haben, je weniger wir meinen, dass es davon gibt.
„Nur noch kurze Zeit …“
Eigeninteresse: Etwas Besonderes ergattern – Wertsteigerung (die Sammler-Krankheit)

Das Gesetz der Reziprozität:
Wir fühlen uns gedrängt, einen Gefallen zu entgelten, uns also zu revanchieren
„Gratisprobe“
Eigeninteresse: Gleichgewicht wieder herstellen

Gesetz der Macht:
Wir hören auf diejenigen, denen wir Macht zuweisen (sie müssen sie nicht einmal haben, Attribute und Zeichen genügen oft)
„Die Zahnarztfrau rät …“
Eigeninteresse: Sicherheit bei Entscheidungen und im Handeln

Gesetz der Sympathie:
Wir glauben Menschen eher, die wir mögen
„Promis in der Werbung“
„Tupperware Verkauf – bei der Freundin daheim“
Eigeninteresse: Vertrauen und Sicherheit

Das Gesetz der Masse:
Was viele tun ist richtig
„Zwei Millionen verkaufte XYZ Autos“
Eigeninteresse: Sicherheit und Verlässlichkeit

Alle Prinzipien wirken direkt auf das Eigeninteresse, denn sie sind evolutionär entstanden und sichern das Überleben – auch im Dschungel der Zivilisationen.

Wir tun eine Menge Dinge eher unfreiwillig, weil wir meinen, uns selbst damit etwas Gutes zu tun. Dabei tun wir vor allem dem Anderen etwas Gutes, denn er hat erreicht, was er wollte. Nun, wenn es beiden gut dabei geht, ist das ja verhältnismäßig unschädlich. Aufpassen müssen wir bei jeder Art von Beeinflussung und Manipulation, die uns Entscheidungen treffen und Dinge tun lässt, die wir im Grunde nicht wollen. Auch „faule Kompromisse“ sind nicht wirklich erstrebenswert. Dabei laufen viele Verhandlungen genau darauf hinaus. Aber das ist ein eigenes, spannendes Thema.

Ein Kompromiss ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, dass jeder meint, er habe das größte Stück bekommen. Ludwig Erhardt