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Helmlose Radler: nicht schuldig aber doof

Im Fokus: der Fahrradhelm
Im Fokus: der Fahrradhelm

Der Fahrradhelm soll das schützen was im Kopf ist: das Gehirn. GMV. Wenn das aber zu doof ist, zu erkennen, dass „mit Helm“ besser ist als ohne, führt der eine oder andere Sturz schon mal gerne zu einem Schädel-Hirn-Trauma. Da haut einem die eigene Blödheit kräftig auf den Hinterkopf. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat jetzt entschieden, dass helm- und hirnlosen Radlerinnen und Radlern keine Mitschuld bei Unfällen zugeschrieben werden kann, nur weil sie keinen Fahrradhelm getragen haben.

„Die Richter gaben einer Radfahrerin aus Schleswig-Holstein recht, die 2011 auf dem Weg zur Arbeit schwer am Kopf verletzt worden war. Eine Autofahrerin hatte am Straßenrand geparkt und vor der sich nähernden Radfahrerin die Tür geöffnet. Von der Autofahrerin und deren Versicherung verlangt die verunglückte Radfahrerin Schadenersatz.

Das Oberlandesgericht Schleswig hatte der Physiotherapeutin im Jahr 2013 eine 20-prozentige Mitschuld angelastet, weil sie keinen Schutzhelm getragen hatte. Dementsprechend weniger Schadenersatz sollte sie erhalten.“ [1]

Freier Fall für freie Bürger

Der BGH hob das Urteil jetzt auf, denn schließlich gibt es keine Helmpflicht in Deutschland. Wir sind ein freies und in weiten Teilen GMV-freies Land. Wir dürfen auf Autobahnen rasen, uns zu Tode saufen und rauchen (und so einiges mehr) und mit der unbedeckten Schädelfläche im Augenblick größter Freiheit auf Asphalt, Beton oder sonst was knallen – stellen Sie sich dieses herrliche Geräusch vor. Das alles kostet die Gesellschaft ein paar Milliarden jedes Jahr und bei manchem verändert ein zertrümmerter Schädel auch nicht viel an Denkfähigkeit. Aus diesem Schaden wird man eben nicht klug.

Zu einer angemessenen Denk- oder Intelligenz-Pflicht für Radler hat sich das BGH übrigens nicht geäußert. Wahrscheinlich fährt der eine oder andere Richter gerne ohne Fahrradhelm zur Arbeit. Dass ein Schädel-Hirn-Trauma nicht gescheiter macht, ist auch klar. Das wurde eindeutig unterstrichen. Die klagende Radfahrerin aus Schleswig-Holstein fuhr demonstrativ und vor laufenden Kameras nach der Urteilsverkündung ohne Helm mit dem Radl davon. Sie hat auch allen Grund: sie bekommt 20 Prozent mehr Schadensersatz bei 80 Prozent mehr Blödheit. Ein leuchtendes Vorbild für Kinder, Jugendliche und den Rest der deutschen Radlerwelt. Für dieses eher hirngeschädigte Verhalten bekommt Sie Unterstützung.

Mit oder ohne Helm? Fragen Sie Schumacher

„Der Fahrradfahrer-Verband ADFC hatte noch kurz vor der BGH-Entscheidung eine Diskussion darüber gefordert, wie Radfahren in Deutschland allgemein sicherer gemacht werden könne (guter Ansatz). Eine Helmpflicht lehnt der Verband ab. „Dass man mit dem Kopf aufs Pflaster knallt, verhindert auch kein Helm“, sagte ADFC-Geschäftsführer Burkhard Stork im Radiosender HR-Info (das ist mal ne Begründung – guter Mann).“[2]

Ah ja. Noch so ein ganz Intelligenter. Ein Fahrradhelm verhindert ja nur, dass der Schädel bricht und das Gehirn Matsch wird. Offensichtlich gehört Stork zum Club der mehrfach helmfrei Gefallenen. Möglicherweise hat er ja auch der Klägerin den Tipp gegeben wieder ohne Helm auf dem Rad Medien und Kameras zu beglücken. Oder es waren die Medienvertreter selbst. Die machen schon mal gerne so etwas hirnverbranntes. Man weiß nicht genau, was die Klägerin geritten hat, PR für mehr Kunden in der Neuro-Chirurgie zu machen. Vielleicht will sie ja nur Einfluss auf die Helmquote nehmen.

„In seiner Urteilsbegründung greift der BGH zu einer interessanten Argumentation: Zwar müsse ein „ordentlicher und verständiger Mensch“ dafür sorgen, eigenen Schaden zu vermeiden – und das könne auch das freiwillige Tragen des Helms bedeuten. (ja, genau!) Doch das Tragen von Schutzhelmen sei zur Unfallzeit im Jahr 2011 kaum üblich gewesen. Es habe kein allgemeines „Verkehrsbewusstsein“ dafür gegeben. Die Helmquote lag damals innerorts bei elf Prozent. Sie ist bis 2013 übrigens nur minimal auf 13 Prozent gestiegen (Ach so. Nach dem Urteil fällt die Fahrradhelm-Trage-Quote bestimmt unter fünf Prozent).“ [2]

Übrigens:
Um einen Fahrradhelm beim Radeln zu tragen, braucht es kein allgemeines Verkehrsbewusstsein und keine Helmpflicht. Da genügt der gesunde Menschenverstand.

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[2] Quelle: http://www.sueddeutsche.de/auto/bgh-urteil-zum-radfahren-ohne-helm-voller-anspruch-auf-schadenersatz-auch-ohne-fahrradhelm-1.2004283, 18.06.2014
[1] Quelle: http://www.spiegel.de/reise/aktuell/kommentar-zum-bgh-urteil-auch-ohne-fahrradhelm-ist-vernuenftig-a-975713.html, 18.06.2014