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Ohne Nachrichten besser leben?

Ein alter Leitspruch für guten Journalismus ist „News you can use“. Auch der schöne alte Hinweis der Gebrüder Grimm aus dem 18. Jahrhundert „Mittheilung zum darnachrichten“ erscheint gesundem Menschenverstand entsprungen. Heute jedoch sind Nachrichten in allen Medien irgendetwas zwischen Staats- und Lobby-PR, Beliebigkeit, Manipulation, Dummgeschwätz, Stars- und Sternchen-Gelaber.

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Danke Chef – Wochenende im Arsch

Danke Chef - schönes Wochenende
Danke Chef – schönes Wochenende

Vorsicht Satire: Es scheint Führungskräftetrainings zu geben, die den Chefs eine ganz besondere Hilfestellung für Konfliktgespräche geben. Die verpuffen ja oft und zeigen nicht die gewünschte Wirkung. Außerdem: Viele Chefs sind im Grunde genommen froh, wenn sie mit niemandem sprechen müssen. Schon gar nicht mit Mitarbeitern, schon dreimal kein Konfliktthema.

Wie können Führungskräfte und Chefs das für sich elegant so gestalten, dass das Stressthema (Mist gebaut, Hilfe nicht bewilligt, mehr Leistung, Sparmaßnahmen, der Katalog ist lang) wirkungsvoll und nachhaltig abgeladen ist und sie sich nicht weiter damit belasten müssen? Wir haben die Lösung.

Führungskommunikation: Zeitpunkt und Jammerhaltung sind entscheidend

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Gegen die E-Mail Flut

Mailfrei nach dem Urlaub
Mailfrei nach dem Urlaub

Sie kommen vom Urlaub zurück ins Büro, fahren Ihren Computer hoch und sind sofort wieder urlaubsreif. Gefühlte 10.000 Mails liegen in Ihrem Postfach, das meiste davon CC-Mails. Das sind die GMV-freien Mails, die irgendein Wichtigtuer immer mit dem großen Verteiler versendet, damit auch jeder im Unternehmen mitbekommt, was der Unentbehrliche mitzuteilen hat oder wem er durch eine elegante Verfehlungsrüge („das hätte man auch schneller erledigen können, Frau Weber“) eins auswischen kann. Damit ist jetzt Schluss – zumindest im Urlaub und bei Daimler in Deutschland.

Daimler räumt den Schreibtisch auf

Der älteste deutsche Automobilkonzern geht offenbar die neuesten Wege bezüglich Mail-Terror. In einem Anflug von gesundem Menschenverstand, was auch bei Mercedes und Smart nicht an der Tagesordnung ist, bietet das Unternehmen jetzt den deutschen Mitarbeitern einen digitalen Assistenten namens „Mail on Holiday“ an. Der informiert Mail-Absender über die Abwesenheit und den zuständigen Vertreter und löscht gleich die ganze Mail. Chapeau. Das ist mal konsequent. So kennen wir deutsche Konzerne gar nicht.

„Für hyperaktive Daimler-Mitarbeiter besteht damit keine Chance, während des Urlaubs auf eingehende Nachrichten zuzugreifen. Nach den Ferien starten sie mit einem leeren Postfach und „einem sauberen Schreibtisch“, wie es bei Daimler heißt. „Eine emotionale Entlastung“ nennt Personalvorstand Wilfried Porth die drastische Maßnahme. „Mail on Holiday“ steht jedem Daimler-Mitarbeiter in Deutschland zur Verfügung, der über ein eigenes E-Mail-Postfach verfügt. Laut Konzern sind das rund 100.000 Beschäftigte.“
Quelle: http://www.wuv.de/digital/e_mail_hoelle_nach_dem_urlaub_daimler_greift_durch, 14.08.2104

Das ist klug und clever

Natürlich geht es nicht nur um emotionale Entlastung. Diese Maßnahme könnte bei den Mitarbeitern auf Wohlgefallen stoßen. Sie ist damit eine erfolgversprechende Aktion des sogenannten Employer Brandings, wie Werbeleute oder Personalmanager so etwas Schlichtes wie „keine Mails mehr!“ gerne schon mal großspurig aufblasen. Das kann richtig Zeit und damit Geld sparen, würden Controller da gerne einwenden. Stimmt.

27.777 Stunden mehr

Wenn 100.000 Mitarbeiter in Deutschland nach dem Urlaub durchschnittlich keine 100 Mails vorfinden und somit auch pro Mail keine durchschnittlichen 10 Sekunden Öffnungs- und Bearbeitungszeit vergeuden, dann haben diese Leute ab sofort rund 27.777 Stunden oder gut drei Mannjahre Zeit, um irgendetwas anderes sinnfreies zu machen oder einfach nur zu arbeiten. Aber Arbeiten ist nach dem Urlaub erst mal nicht zu erwarten. GMV. Da gibt es ja so viel zu erzählen… und dafür hat man ja endlich ein bisschen mehr Zeit.

Kommunikation und Persönlichkeit

Auszug aus Jürgen Zirbik: Sie können das – Kommunikation mit gesundem Menschenverstand – wie Sie mit GMV überzeugen, Friendship Verlag, Nürnberg 2014

Kommunikation und PersönlichkeitMit dem Thema „Wahrheit und Lüge“  kommen wir in eine höhere Region, nämlich die Region der Werte. Werte sind wichtig für Kommunikation – sowohl für gute als auch für schlechte. Werte bestimmen Ihre grundsätzliche Haltung in der Kommunikation und diese Haltung wiederum ist Ihnen anzusehen, die hört man an der Stimmlage und man spürt sie durch viele weitere Faktoren wie Körpersprache oder Mimik. Haltung und Persönlichkeit entspringen dem Denken, ebenso wie Handeln. Und wenn Sie da nicht aufpassen, geraten Sie schnell und nahezu unmerklich in unruhiges Fahrwasser. Wir alle haben das eine oder andere Vorurteil. Ein Vorurteil ist eine Grundhaltung gegenüber einer Kategorie. Sehr abstrakt. Ich weiß. Jetzt die Geschichte, das Bild dazu.

Vorurteil: farbige Afrikaner sind…

Straßburg. Urlaub. Etwa 1990. Vor dem Straßburger Dom kam eines schönen Sommertags ein Farbiger auf mich zu. Auffällig gekleidet in bunte afrikanische Gewänder. Kategorie: farbiger Afrikaner. Ja, da steckten eine Reihe Vorurteile drin. Farbiger bedeutete für mich verallgemeinert und grob dargestellt soziale Unterschicht. Schlussfolgerung: Der Mann kommt betteln. Auf die Idee, dass er mich nach dem Baujahr des Doms hätte fragen können, wäre ich sicher nicht gekommen. Zudem sein Aufzug, also sein Erscheinungsbild (bunte zentral-afrikanische Kleidung – Afrika ist groß, ich weiß –, also Faselindikator: Verallgemeinerung), auch nicht den Schluss nahelegte, dass es sich um einen afroamerikanischen Zeitgenossen handelt, der geschäftlich in Straßburg weilt. Also ein Afrikaner in einem Aufzug, den Sie vielleicht vom Strand in Italien oder Spanien her kennen. Deshalb auch die Überraschung. Der Mann gab vor, studiert zu haben (sie merken schon, ich glaube das ja heute noch nicht so recht).

Wäre ein fein gekleideter älterer Europäer auf mich zugekommen, hätte ich eine andere Erwartungshaltung gehabt. So und so ähnlich funktionieren Vorurteile. Wenn Sie sich davon nicht befreien können, begrenzen Sie automatisch Ihre kommunikativen Fähigkeiten. Die schlechte Nachricht: Sie können sich nicht befreien, wenn Sie nicht auf der unbewussten Ebene arbeiten. Da wir jedoch meistens versuchen durch Techniken und rationales Lernen weiterzukommen, stecken wir voller Glaubenssätze und Vorurteile. Können Sie sich vorstellen, dass Sie einem Kriminellen gegenüber positiv eingestellt sein können, nur weil Sie ihn von etwas überzeugen möchten?

Kommunikation und Wertschätzung

Alles eine Frage von Haltung und Charakter. Agenten und Polizisten, die schwere Jungs und Mädels als Informanten gewinnen wollen, beispielsweise, um die großen Fische dingfest machen zu können, gewinnen sie besonders erfolgreich, wenn es ihnen gelingt, auch diesen Menschen irgendwie Wertschätzung gegenüber zu empfinden und zu signalisieren. Nicht nur zu spielen, zu zeigen – nein, zu empfinden. Einer der erfolgreichsten Spitzel-Anwerber beherrscht das perfekt. Es ist Teil seiner Haltung, seines Charakters und seiner Persönlichkeit. Und es ist hilfreich, wenn man sich mit dem einen oder anderen Hilfsmittel unterstützen kann – GMV. Denn ganz so einfach ist es nicht, quasi jedem und erst recht Kriminellen wertschätzend gegenüber zu treten.

„Fragen Sie sich, wie es im Extremfall gelingt, einem Kriminellen wertschätzend zu begegnen? Es ist einfacher, als Sie vielleicht glauben. Sie müssen an einem Menschen, der es Ihnen womöglich nicht leicht macht, ihn zu mögen, zunächst etwas finden, das Sie wertschätzen können. (…) Mit diesem kleinen Trick der Wahrnehmungsveränderung schaffen wir es, auch nervende Zeitgenossen wertzuschätzen, und sorgen dafür, dass sie uns ebenfalls offener begegnen. Wann immer zwei Menschen aufeinander treffen, checken sie sich gegenseitig – häufig unbewusst – ab. (…) Sind wir selbst inkongruent, wirken wir ganz bestimmt nicht sympathisch. Genau das möchten wir aber – bei der Anwerbung eines V-Mannes, in der Gehaltsverhandlung mit dem Chef oder beim Flirt mit dem oder der Blonden an der Bar.“[1]

Wenn man sich Untersuchungen anschaut, welche Charakter- und Persönlichkeitseigenschaften Menschen besonders schätzen, tauchen vor allem diejenigen auf, die uns auch der gesunde Menschenverstand ohne Untersuchungen oder Studien einflüstert. Alles ganz natürlich und nichts Besonderes. Schauen Sie sich Personalanzeigen an. Da stehen all die Eigenschaften drin, die im Berufsumfeld besonders geschätzt werden. Und diese Eigenschaften sind auch gerne in allen anderen Lebensbereichen gesehen. Ein Auszug oft genannter Eigenschaften:

  • Zuverlässigkeit
  • Sorgfalt
  • Teamfähigkeit
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Belastbarkeit
  • Kritikfähigkeit
  • Kreativität
  • Selbstständigkeit
  • Loyalität
  • Integrität
  • Integrationsfähigkeit

Wenn es um Charakter und Persönlichkeit geht, spielen in der Forschung und nach den forschenden Wissenschaftlern die sogenannten „Big Five“ eine große Rolle.
„Bei den Big Five (…) handelt es sich um ein Modell der Persönlichkeitspsychologie, das fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit postuliert. Die Entwicklung der Big Five begann bereits in den 1930er Jahren (…) mit dem lexikalischen Ansatz. Diesem lag die Auffassung zugrunde, dass sich Per-sönlichkeitsmerkmale in der Sprache niederschlagen. Auf der Basis von Listen mit über 18.000 Begriffen wurden durch Faktorenanalyse fünf sehr stabile, unabhängige und weitgehend kulturstabile Faktoren, die Big Five, gefunden.“[2]
Die fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit sollen also weitgehend auf der ganzen Welt gültig sein. Das bestätigen viele Untersuchungen.

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[1] Leo Martin: Ich krieg dich, Ariston, 2011, Kindle-Version
[2] Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Big_Five, 10.02.212

Nicht-Kommunikation der Bosse

Rede: Feuerwerk oder Nebelkerze
Rede: Feuerwerk oder Nebelkerze

Kommunikation ohne GMV. Jetzt haben wir es wieder schwarz auf weiß: viele Chefs reden ohne etwas sagen zu wollen. So eine Analyse von Kommunikationswissenschaftlern um Frank Brettschneider von der Universität Stuttgart-Hohenheim. Sie untersuchten in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt regelmäßig die Reden von Bossen bei Aktionärsversammlungen. Professionelle Nicht-Kommunikation, von Militärs und Politikern seit Jahrhunderten kultiviert, findet sich auch dort. Motto: Viel reden, nichts sagen.

In der Kürze liegt die Würze

Ein Gradmesser für die Verständlichkeit gesprochenen Wortes ist die Länge der Sätze. „Seine [Brettscheiders, der Autor] Studie beurteilt die formale Verständlichkeit und schaut dafür beispielsweise auf die Länge von Sätzen, deren Aufbau, die Portionierung von Informationen oder auf den Fremdwörteranteil“ [1] (Dieses Zitat hat 25 Wörter, das geht besser). Sie fanden heraus, dass die meisten Bosse bei Aktionärsversammlungen Kauderwelsch bevorzugen und Klartext vermeiden. 

Absoluter Spitzenreiter der gewollten Unverständlichkeit ist Norbert Steiner, Chef des Kasseler Dünger- und Salzproduzenten K+S. Laut Brettschneider und Kollegen produzierte er bei der studienrelevanten Hauptversammlung insgesamt eine unverständliche Rede. Das Highlight darin ein wirklich bemerkenswerter Satz, der dem Bürgerlichen Gesetzbuch alle Ehre machen würde. 51 Wörter, ein Komma, ein Punkt:

„In den neun zwischen der K+S Aktiengesellschaft und ihren jeweils 100-prozentigen Tochtergesellschaften geschlossenen Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträgen soll klargestellt werden, dass der in den Verträgen bereits bislang enthaltene Verweis auf die gesetzliche Regelung zur Verlustübernahme gemäß Paragraf 302 Aktiengesetz sich stets auf die jeweils gültige Fassung dieser Vorschrift in ihrer Gesamtheit bezieht.“ [1]

Kommunikation als Nebelkerze

Alles klar? Klar soll es ja gar nicht sein, so der eher böswillige Ansatz. Aktionäre, die wirklich wissen, was im Konzern los ist, können lästig werden. Manche Politiker stimmen ja auch über Zeugs ab, von dem sie keine Ahnung haben. Klarheit in den „Regierungserklärungen“ der Konzernchefs kann auch kaum gelingen, denn die Reden werden von professionellen Redenschreibern verfasst.

Äh. Wie jetzt? Und dann solche Info-Nebelkerzen? Ja, denn ganze Rechtsabteilungen prüfen und Fachabteilungen beeinflussen die Vortragswerke. Hier gilt: viele Köche verderben den Brei. Allerdings ist da ja noch der Redner. Ein Boss, der kommunikativ etwas auf sich hält und Vertrauen bei den Aktionären fördern möchte, sorgt für Verständlichkeit. Er lässt sich nicht alles vorschreiben (schönes Wortspiel). Manche Chefs interessiert das, andere nicht.

Chefsache gute Kommunikation

BMW-Chef Norbert Reithofer zeigt, dass es auch anders geht. Laut der Studie ist er besonders um Klartext bemüht, Rechts- und Fachabteilungen hin oder her, und führt die Studie an. Andere Bosse sollten sich lieber auf Bilanzen oder Strategien fokussieren, denn Kommunikation ist offensichtlich nicht ihr Ding.

„Reithofer holt 18,4 von 20 möglichen Punkten. Zum Vergleich: Steiner kommt nur auf magere 8,1. Noch schlechter bestellt ist es nur noch um die Verständlichkeit der Reden von Stefan Heidenreich (Beiersdorf – 8,0), Allianz-Chef Michael Diekmann (7,7) und Schlusslicht Wolfgang Reitzle (Linde – 6,7).“ [1]

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[1] Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article128568660/Deutschlands-Topmanager-reden-oft-Kauderwelsch.html, 30.05.2104