Scheiße, Meinungsfreiheit

Vorsicht Satire. Dürfen Satiriker jeden Mist verzapfen und dann auf Meinungsfreiheit pochen? Ich traue mich da jetzt nicht wirklich, eine eigene Meinung dazu zu haben. Ich fühle mich in letzter Zeit ganz schön eingeschränkt in meiner Meinungsfreiheit. Kürzlich habe ich einem Freund mal so richtig meine Meinung gesagt. Er spricht nicht mehr mit mir. Und das in Deutschland. Er kennt Erdogan gar nicht. Zu Böhmermann möchte ich mich gar nicht äußern. Er sagt ja gerade selbst nichts mehr, geht zu keiner Preisverleihung, nimmt an keiner Talkshow teil, sagt seine Sendungen ab. Erst große Klappe, dann den Schwanz einziehen. Keine Eier, Böhmermännchen, wie?

Müssen wir alles dürfen?

Warum denken unsere Möchtegern-Satiriker, sie dürften jeden und alles beleidigen und mit Fäkalsprache überziehen, um Quote zu machen. Ach so, sie denken, die machen das wegen der Meinungsfreiheit. Wie süß. Wie an der Witzfigur Böhmermann zu sehen ist, hält Meinungsfreiheit bei ihm nur so lange, bis er dafür gerade stehen muss. Der total hippe Jungsatiriker, der sich gerne der Fäkalsprache bedient (siehe Gedicht: „am liebsten mag er Ziegen ficken und Minderheiten unterdrücken“), ist Preisträger  deutscher Satire-Kultur. Was für ein Künstler, ein zweiter Goethe im satirischen Kommunion-Anzügelchen, ein neuer Dieter Hildebrandt (ohne Stil), ein…

Wunderbar auch die Sprache unser Kulturschaffenden

Nun springen dem vom Erboden verschluckten Erdogan-Huldiger die Träger der deutschen Leitkultur bei. Springerchef Döpfner stellt sich an die verwundete Seite des grimmepreistragenden Schmähjunglings. „Ich finde Ihr Gedicht gelungen. Ich habe laut gelacht“, schreibt der Vorstandsvorsitzende des Medienhauses („Bild“, „WeltN24“) in einem offenen Brief in der „Welt am Sonntag“. “ (Stern) Der Wahrer deutscher Hochkultur Mathias Döpfner sieht im „Ziegenficker“-Gedicht sogar ein Kunstwerk. Halleluja! (Er hält die BILD ja auch für Journalismus)

Mit Fäkalsprache wenigstens in die Medien

Dazu gesellt sich der weltweit anerkannte deutsche Satire-Papst, Dieter Hallervorden. „In der Debatte um Satirefreiheit greift der Kabarettist Dieter Hallervorden den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan mit einem Lied an. In „Erdogan, zeig mich an“, das Hallervorden am späten Sonntagabend auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte, heißt es: „Ich sing einfach, was du bist. Ein Terrorist, der auf freien Geist scheißt.““ (Spiegel) Was für ein Werk, vergleichbar den „Räubern“, „Romeo und Julia“, „Donald Duck“.

Jetzt traue ich mich auch, oder… ?

Was lernen unsere Kinder daraus? Wir dürfen „Scheiße“ (oder Schlimmeres) sagen. Das ist gut für die Meinungsfreiheit. Kinder, ihr müsst nur vorher dranhängen: „Das ist jetzt Satire und ich weiß, dass ich dafür bestraft werde – Mama (Wahlweise Papa) , du bist scheiße!“. Sollte es Stress geben, wendet euch an Mathias den Döpfner oder Diddi. Diddi macht dann ein Lied für euch.

Ohne diese Recken der wahren Meinungsfreiheit hätte ich meinen Glauben an Dschland verloren. Gut, sie sind irgendwie primitiv, mediengeil, Quotenhuren, stillos und haben keinen Arsch in der Hose, besonders Böhmermännchen. Aber solange man in diesem Land öffentlich ungestraft scheiße, Ziegenficker und Bundesregierung in einem Satz sagen darf, weiß ich, wir leben im Land der Dichter und Denker, in einer Demokratie, in der die Bürger entscheiden, in der Medien wahrhaftig berichten (besonders die BILD), Politiker und Unternehmen den Menschen dienen… oh, tschuldigung, jetzt ging es dann doch mit mir durch.

 

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