Loslassen, wenn etwas nicht mehr funktioniert

Loslassen, was nicht funktioniert

„Lass los, was nicht funktioniert, überlege dir genau, was funktioniert und dich richtig begeistert. Es ist nicht so, als würde mir nie etwas Schlimmes widerfahren. Aber ich stecke die meisten Dinge nicht in Schubladen wie „gut“ oder „schlecht“. Stattdessen frage ich mich, wie ich mich dadurch weiterentwickeln kann. Was will ich jetzt wo ist in diesem Augenblick meine Mitte?“ Jason Nemer, Miterfinder des Acroyoga, aus Tim Ferriss: Tools der Titanen, S.77

Loslassen mit gesundem Menschenverstand

Mit Blick auf gesundem Menschenverstand liegt das, was Jason Nemer sagt bezüglich „Loslassen“ sagt wohl auf der Hand. Klar sollte man lassen was nicht funktioniert. Insbesondere dann, wenn man es in einer Sache schon mehrfach versucht hat und immer wieder gegen die Wand gelaufen ist. Oft machen Menschen genau das Gegenteil.

Loslassen im Rückblick

Mir ist das auch schon passiert. Ich habe beispielsweise versucht an Jobs festzuhalten, die mich schlichtweg überfordert haben. Ein schönes Beispiel dazu: ich war im Jahr 1987 Studioleiter eines Radiosenders (Ja, ich weiß, das ist 30 Jahre her), obwohl ich überhaupt keine Ahnung von diesem Business hatte. Das Privatradio Geschäft hat sich damals in Deutschland eben wie der Wilde Westen entwickelt. Allerdings habe ich mir auch von den Leuten drumherum nicht viel sagen lassen, sondern gemeint, ich bekomme das schon hin. Damals war ich 28 Jahre alt und einfach zu selbstbewusst.

Eher loslassen. Selbst bestimmen, wann Schluss ist

Hätte ich früher loslassen, vielleicht nach einem halben oder dreiviertel Jahr, oder hätte ich mir die entsprechende Hilfe geholt, wäre vieles stressfreier und unter dem Strich auch weniger eskalierend verlaufen. Ich habe damals innerhalb eines Jahres 7 Kilo abgenommen – und ich hatte kein Gramm zu viel. Das sah ungesund aus und ich fühlte mich oft ausgelaugt und scheiße. Danach war mein Selbstbewusstsein mehr als angekratzt (aus heutiger Sicht bin ich dankbar – ich durfte machen, lernen und auf die Schnauze fallen. „Gezahlt“ hat diese „Fortbildung im realen Leben“ mein damaliger Chef).

Nach einem Jahr, also 1988, hat mich die Besitzer-Crew (Gesellschafter) als Studioleiter aus dem Sender geworfen. Also, es gab einen tollen Abschied mit Lobeshymnen und so. Für mich war es ein ungerechtfertigter Rauswurf. Sie haben mich aber in einem weichen Bett aufgefangen. Ich konnte als Berater im Gesamtunternehmen weiterarbeiten. Da merkte ich, dass es eigentlich das war, was ich besser kann und viel lieber tue – auch heute noch.

Loslassen und Fragen stellen

Die klugen GMV-Fragen, die Nemer anspricht, sind extrem hilfreich und bringen Sie weiter. Etwa „wie kann ich mich durch die Situation weiterentwickeln“, insbesondere wenn ich etwas loslasse was nicht gut funktioniert. Auch die Fragen „was will ich jetzt in diesem Augenblick“ und „wo ist jetzt in dem Augenblick meine Mitte“, distanzieren aus dem „tiefen Tal“ und lassen den „neuen Horizont“ erscheinen.

Festhalten auch wenn Loslassen besser ist?

Psychologisch lässt sich leicht erklären warum Menschen häufig an ungünstigen Dingen festhalten und nicht loslassen. Zum Einen möchten sie sich selbst nicht eingestehen, dass sie dafür nicht geeignet sind oder gerade versagen. Zum Anderen hat man schon sehr viel Zeit, Geld oder Mühe in eine Sache, einen Job oder vielleicht auch eine Partnerschaft investiert. Dieses Phänomen nennt sich „sunk-cost effect“ und führt dazu, dass man selbst dann, wenn man erkennt dass eine Situation nicht funktioniert, an der Sache festhält, nur weil schon „Kosten“ entstanden sind. So gehen auch Unternehmen oder Banken pleite.

Tipp zum Loslassen

Wenn Sie merken, dass etwas nicht läuft und Sie dauerhaft und immer wieder stresst, treten Sie einen Schritt zurück und versuchen Sie von außen auf die Situation zu schauen, die Sie stresst oder in der Sie nicht weiterkommen. Wenn Ihnen das „Zurücktreten“ nicht gelingt, ist das ein Alarmzeichen. Nutzen Sie dann einen Coach, der Erfahrung mit Veränderungen und mit ähnlichen Coaching-Themen hat.

Es ist oft erstaunlich, was bei „zurücktreten und von außen schauen“ herauskommt. Und man ist fast immer überraschend erleichtert, wenn man losgelassen hat. Neue Chancen tun sich auf, für die Sie vorher „vernagelt“ waren.

Es gelten die GMV-Weisheiten: Es kommt nie so schlimm wie man sie sich vorstellt… und… wer weiß, wofür es gut ist.

 

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