Fall Reus: Gut dass er kein Weltmeister ist

Brüllender Löwe
„Mir kann keiner“

Wer weiß, was passiert wäre, wenn Marco Reus mit der Traumtänzer-Truppe im Sommer Weltmeister geworden wäre (ja, es war toll. Und doch: Profifußballer sind ganz eigene Gewächse, die in einer Parallelwelt ohne gesunden Menschenverstand leben). Hätte er einen Hubschrauber oder einen Düsenjet geflogen – ohne Schulung und Erlaubnis? Wäre er ab und zu, nur so zum Spaß, in irgendein Krankenhaus entschwunden und hätte operiert? Wir wissen es nicht. Auch ohne Weltmeister zu sein, wähnt sich der Junge jenseits von Recht und Gesetz. So wie manche seiner Kollegen.

„Der Führerscheinskandal um Marco Reus gibt Einblicke in eine bizarre Parallelwelt. Ein Fall wie der des Nationalspielers ist nicht die Ausnahme, sondern zunehmend die Regel bei Fußballstars. […] In nahezu allen großen Klubs gibt es eine Armada von Helfern, die den Spielern jeden Wunsch von den Augen ablesen. Und wenn der Verein nicht helfen kann, sind da zusätzlich noch die Berater. Die großen Agenturen stellen für ihre Stars auf Wunsch Mitarbeiter ab, die sich exklusiv um die Bedürfnisse der kostbaren Klienten kümmern. Autos anmelden? Behördengänge? Urlaub buchen? Alles inklusive.“[1]

Nicht die Buben sind das Problem…

Umgangssprachlich heißt das, dass den Bürschchen und Burschen der „Arsch nachgetragen wird“. Für einen 17 bis 20-jährigen, der in der Regel bis dato vor allem durch das fachgerechte Treten gegen eine Lederkugel und körperliche Fitness aufgefallen ist, kann das geradewegs in die Lebensuntüchtigkeit führen. Das ging schon anderen Rasenikonen so: Diego Maradona ist komplett abgestürzt, deutsche Ex-Nationalspieler sind reihenweise vorbestraft oder sitzen im Knast.

… sondern das System

„Uli Hoeneß zockte mit Aktien, ohne die Gewinne zu versteuern. Karl-Heinz Rummenigge ließ sich vom Zoll mit Luxusuhren erwischen. Oliver Kahn parkte seinen Ferrari auf einem Behindertenparkplatz. Und der Österreicher Marco Arnautovic ließ zu seiner Zeit bei Werder Bremen einen Polizisten wissen: „Ich verdiene so viel, ich kann dein Leben kaufen.“ Fußballgrößen, die sich über das Gesetz stellen, weil sie glauben, ihr eigenes Gesetz zu sein. Beispiele gibt es zuhauf. Auch Reus scherte sich nicht um Paragrafen.“ [1]

Unsere wichtigsten Vorbilder

Aber wurscht. Der Mann soll kicken, keine Rechtsvorlesungen halten. Reus und die anderen Nationalkicker sind nun einmal große Werbeikonen und „Vorbilder“. Jeder kennt Reus und Löw, keiner den aktuellen Bundesgesundheitsminister  (Herrmann Gröhe, CDU) – die Prioritäten sind klar verteilt im Land. Der DFB hält weiter zu Reus, Vorbildfunktion hin, Vorbildfunktion her. Der Junge kann kicken, das reicht. Sein Trainer in der Liga, der überaus beherrschte und beliebte Herr Kloppo Klopp, nimmt den armen, kleinen Sünder in Schutz. Er braucht ihn auch noch – gerade jetzt.

Und mit seinem Bundeschef Joachim Löw, dem Unsterblichen, hat er jetzt mehr gemeinsam als jeder andere Nationalspieler. Denn auch der Bundesleitguru nimmt es nicht genau mit dem Gesetz. Zumindest was sein Gebaren im Straßenverkehr angeht. Nicht zum ersten Mal musste er im Frühjahr 2014 seinen Führerschein abgeben. Dieses Mal wegen Rasens und Telefonierens am Steuer. Man nimmt es da nicht so genau bei Löw, Reus & Co.

Pfeif auf Recht und Gesetz

Also, wenn Sie ab und an über oder neben dem Gesetz stehen wollen… es gibt Möglichkeiten (sind Sie Normalo, müssen Sie leider für das einstehen, was Sie verbocken, und die Konsequenzen tragen). Hier die Vorschläge ohne Bildung und Führerschein: Werden Sie Fußballer oder Fußballmanager, Tennisprofi oder sonst irgendein Sportprofi (Formel 1 Rennfahrer, irgendein Nationalspieler). Wichtig ist, dass Sie eine gewisse Berühmtheit erreichen und gute Kontakte zu einigen Mächtigen haben.

Hier noch einige Vorschläge mit Bildung, für diejenigen, die schon in der Schule nie in die Mannschaft gewählt wurden: Pfarrer (besser Bischof) – Kinderschänder und andere Kriminelle kommen zur Kur; Politiker – vielfältigste Möglichkeiten, Gesetze zu umgehen; Diplomat – der Diplomatenstatus ist besonders clever. Sie dürfen kaum für irgendetwas belangt werden; Superreicher – dann kaufen Sie den ganzen Laden und gut is. Dabei ist es relativ egal, woher Sie das Geld haben.

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[1] Quelle: http://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/borussia-dortmund/article135599653/Das-Gesetz-bin-ich-Erkenntnisse-aus-dem-Fall-Reus.html
Bild: bigstock-Close-up-shot-of-roaring-lion-42360532

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