Hütte Arm

Die Superreichen und die Ärmsten

Die 62 Superreichen haben soviel Kohle wie die 3,6 Milliarden Ärmsten zusammen, so die Gerechtigkeitspropagandisten von Oxfam. Jedem, der ein soziales Gewissen hat, sollte sofort der Kamm schwellen, während er in seinen Mittelklasse SUV steigt und zum Golfen fährt oder bei einer schönen Tasse fairem Cappuccino diesen Artikel auf seinem neuen iPad liest. Im Übrigen haben ordentliche Gefälle ihren Sinn – das weiß man vom Wetter. Ohne  Hochs und Tiefs bewegt sich gar nichts. Ungerechtigkeit ist auch eine schöne Tradition – das gab es schon immer. Ganz früher hatten 0,1% 99,9% von allem. Es ist besser geworden. Die Natur wird sich dabei etwas gedacht haben, dass wir so funktionieren.

Das mit den Superreichen ist doch jetzt nicht wirklich schlimm. Schlimm ist, dass jeden Tag 30.000 Kinder sterben, weil sie verhungern, verdursten und keine medizinische Versorgung bekommen. Noch schlimmer ist, dass Flüchtlinge massenhaft nach Deutschland kommen. Das hat jetzt aber nichts mit den Milliardären zu tun, oder? Im Verhältnis zu den 3,6 Milliarden Ärmsten sind sogar Sie und ich superreich. Wir wissen doch, dass wir alle auf Kosten der 2., 3. und 4. Welt hier in Saus und Braus leben, gell?

Superreich ist relativ

Konservative Medien und Schreiberlinge haben auch gleich betont, dass die Studie von Oxfam sooo nicht stimmen kann. Falsch gerechnet Freunde von Gleichheit und Gerechtigkeit. Wenn die Zahlen nicht stimmen kann man die Welt nicht verändern, lasst euch das gesagt sein. Zum Beispiel von Gert G. Wagner,  Vorstandsmitglied des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), bekannt für seinen Kampf gegen Armut und Ungleichheit.

„Laut Oxfam gibt es auf der Welt 7,2 Milliarden Menschen, und exakt 62 davon haben so viel auf der hohen Kante wie die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung. Woher will Oxfam das so genau wissen? Die meisten Superreichen kennen ihr Vermögen nicht mal selbst voll und ganz. Selbst ihre Steuerberater wissen es auch erst halbwegs genau, wenn Erbschaftssteuer anfällt. Das wahre Vermögen bleibt unbekannt.“ [1]

 

Na gut, wenn die Superreichen selbst nicht wissen, wie reich sie sind, lassen wir sie in Ruhe. „Geben Sie bitte 50% von Ihrem Vermögen ab“ – „Oh, sorry, ich weiß gar nicht wie viel das ist – „Na dann natürlich nicht.“ Da kann man nix machen. Wagner weist immerhin auf das Anliegen von Oxfam hin. Sie wollen die Ungleichheit in der Welt verringern. Aber Leute, so geht das nicht. „Durch bloße Umverteilung von Vermögen wird man die Ungleichheit nicht nachhaltig reduzieren können. Vielmehr kommt es darauf an, wie sich Demokratie und Bildungschancen weltweit entwickeln; ob Gewerkschaften in der Lage sind, gute Arbeitsbedingungen durchzusetzen; und ob die staatliche Wettbewerbsaufsicht Monopole verhindern und wenn nötig zerschlagen kann.“ (1) Gut, du Schlaumeier – mit den Reichen hat das nichts zu tun. Dafür brauchen wir zwar Geld, aber… Deswegen auch die Artikelüberschrift „Superreichtum ist nichts Schlimmes“.

Armut: Handwerklich schlecht gemacht

Auch die Süddeutsche Zeitung schlägt mit Herrn Brinkmann (Online-Chef Wirtschaft SZ) in dieselbe Kerbe. Was Oxfam da herumrechnet kann doch gar nicht stimmen. Schon gar nicht weil deutsche Hausbesitzer in dieser Statistik zu den „Armen“ zählen sollen. Jetzt ist aber gut, Freunde des sinnlosen Gerechtigkeitswahns. Nicht deutsche Hausbesitzer. Die sollen in den nächsten 10 Jahren alle ihre Buden für viel Kohle dämmen und die Heizungen auswechseln – die müssen Geld haben. Oxfamis, macht erst mal eure Hausaufgaben. Also nochmal – 62 zu 3,6 Milliarden kann nicht stimmen.

„Die Zahl ist mit ziemlicher Sicherheit falsch. Denn die Methodik des Berichts ist an dieser Stelle gewagt. Oxfam bedient sich beim Vermögensbericht der Bank Credit Suisse. Demnach besitzt das reichste ein Prozent der Menschheit nach Abzug aller Schulden genauso viel Vermögen wie die übrigen 99 Prozent.“ [2] Dann zählt nach Brinkmann Oxfam das irgendwie hoch, bis sie auf 62 zu „die ärmste Hälfte“ kommen. Das langweilt jetzt eher und ist auch wurscht.

Potenzial: 72 Millionen Superreiche

Die Zahlen 1% zu 99% sind doch viel interessanter. Etwa 72 Millionen (1%) besitzen demnach so viel wie rund 7,128 Milliarden (legen Sie mich jetzt auf die 5.Stelle hinter dem Komma fest). Wir lassen das vom DIW gegenrechnen. Das Schöne ist, da sind die 62 Super-Superreichen mit drin und die Gesamtsumme ist vieeel größer. Damit kann man echt etwas anfangen. Besteuern wir das eine Prozent Superreiche mit 99 Prozent, und zwar schlupflochfrei, haben 99 Prozent doppelt so viel. Oder habe ich das jetzt falsch gerechnet?

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(1) http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-01/vermoegen-studie-oxfam-diw-berlin, 23.01.2016
[2] http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ungleichheit-besitzen-menschen-wirklich-so-viel-vermoegen-wie-die-halbe-welt-1.2822839, 23.01.2016

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3 Gedanken zu „Die Superreichen und die Ärmsten

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