VW Abgas-Skandal - Kunde zweiter Klasse

Abgas-Skandal: Kunde zweiter Klasse

Sorry, ich bin noch Kunde von Volkswagen. Und das nur wegen meines wirklich guten Autohauses in Cadolzburg – Autohaus Konrad Schmidt. Die bemühen sich um einen tollen Service und sorgen für Ihre Kunden. Ganz anders als ihr Lieferant. Der ist zunehmend unsäglich. Die Wolfsburger, allen voran ihre arroganten und weltfremden Vorstände, bringen mich im Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal regelmäßig zur Weißglut (mal ganz rational betrachtet). Ich bin nicht nur Kunde eines Unternehmens mit offensichtlich kriminellen (Ex) Managern – selbst VW-Aufsichtsrat Olaf Lies hat den Verantwortlichen im Abgas-Skandal kriminelle Handlungen vorgeworfen – ich bin auch noch Kunde zweiter Klasse.

USA – Kunden erster Klasse

US-Kunden erhalten ein Rückkaufangebot für ihre VW-Diesel-Dreckschleuder, wahlweise eine kostenlose Schadensbehebung und eine satte Entschädigungszahlung. 
Für den Abgas-Skandal soll Volkswagen in den USA knapp 15 Milliarden Dollar bezahlen, wie in US-Gerichtsdokumenten zu lesen ist. 
„Die Wolfsburger verpflichten sich, die rund 480.000 von der Affäre betroffenen Dieselwagen in den USA zurückzukaufen oder umzurüsten. Die reine Entschädigung für Autobesitzer soll zwischen 5100 und knapp 10.000 Dollar pro Fahrzeug liegen – abhängig vom Alter der Wagen. Zusätzlich muss der Konzern den Kunden anbieten, ihre Autos zurückzukaufen. Die Diesel-Besitzer sollen dabei so viel Geld bekommen, wie ihr Auto vor Bekanntwerden der Manipulationen wert war.“ [1]

Nur Gelaber im Abgas-Skandal

Weltweit sind laut Medienberichten rund elf Millionen Diesel-Volkswagen betroffen. Alleine in Europa 8,5 Millionen. Hier lassen sich die Wolfburger Herren dazu herab, den Schaden kostenlos zu beheben. Das war´s. Motto: Wenn die Kunden so blöde sind, auf unsere Werbung und technischen Angaben hereinzufallen – selbst schuld. Und da in Europa und ganz speziell in Deutschland ein ungutes Miteinander zwischen Politik und Automobilindustrie herrscht, sind VW-Kunden im Abgas-Skandal im Abseits. Noch im Februar 2016 wurde im Verkehrsministerium gezögert und gezaudert.

„Und die Aufarbeitung des Volkswagen-Skandals? Auch hier kommt der Minister nicht voran. Im Gegenteil. Da Dobrindt  (Verkehrsminister) aber keinen politischen Selbstmord begehen will, tat er, was Politiker in solch aufgeheizten Situationen gerne tun: Er setzte eine Untersuchungskommission ein.“ [2] Hier haben die Auto-Oligarchen wenig zu befürchten.

Haben Sie nicht auch schon mal Mist gebaut?

Derweilen startete Volkswagen im Oktober 2015 eine riesige Werbekampagne, um sich bei den Kunden zu entschuldigen. Das ist praktisch, denn da muss man nichts tun. Da werden einige Zig-Millionen im siebenstelligen Bereich geflossen sein. Man hat´s ja. Im Bereich der Manipulationskommunikation (Werbung) ist Volkswagen stark. Da wird eh alles geschönt und auch schon mal knapp an der Wahrheit vorbei-gesalbeit. Neueste Kampagne seit 2016, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss – Leitspruch: „Auch der Kunde ist nicht ohne Sünde.“

Dazu eindrucksvoll inszenierte Entschuldigungen der Verantwortlichen Chef-Manipulierer. Da werden Medientrainer im Vorfeld einiges verdient haben. Wie schaue ich an welcher Stelle betroffen, seriös, solide oder geknickt? „Das bedauern wir zutiefst“, sagt VW-Aufsichtsratschef Pötsch auf der Hauptversammlung über den Dieselskandal. Konzernchef Müller verspricht, Volkswagen werde künftig ein „Vorbild“ in Sachen Gesetzestreue sein.“ [3] Ist das nicht schön? In Sachen Kundenrespekt sind sie es nicht.

Abgas-Skandal: Die Wahrheit liegt anderswo

Da kann ich zitieren: „Der Konzern hat aus dem Abgas-Skandal offenbar rein gar nichts gelernt, sondern führt Verkehrsminister Dobrindt, das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) und nicht zuletzt auch seine eigenen Kunden am Nasenring durch die Manege. Der nicht aufgearbeitete Abgas-Skandal bleibt bei VW die sprichwörtliche Leiche im Keller.“ [4]

Hätte ich nicht mein Autohaus in Cadolzburg, ich wäre schon längst weg. Leider fällt es mir zunehmend schwerer, als Kunde zweiter Klasse bei meinem Volkswagen zu bleiben.

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[1] http://www.n-tv.de/wirtschaft/VW-soll-15-Milliarden-Dollar-Strafe-zahlen-article18065456.html
[2] http://www.zeit.de/2016/05/vw-skandal-alexander-dobrindt-aufarbeitung
[3] http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/vw-chefaufseher-poetsch-entschuldigt-sich-fuer-dieselskandal-a-1099145.html
[4] http://www.focus.de/auto/news/abgas-skandal/neue-vw-strategie-2025-vw-beginnt-die-zukunft-mit-einer-leiche-im-keller_id_5639394.html

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